

Das Waldkrankenhaus Köppern: Von der agrikolen Kolonie der Stadt Frankfurt zum Zentrum für Soziale Psychiatrie Hochtaunus
Christina Vanja und Helmut Siefert (Hrsg.)
Historische Schriftenreihe des Landeswohlfahrtsverbandes Hessen Quellen
und Studien Bd. 7
336 Seiten mit vielen auch farbigen Abbildungen
Inhalt | Rezensionen | Leseprobe
Das Waldkrankenhaus Köppern
Das "Zentrum für Soziale Psychiatrie Hochtaunus gGmbH" geht auf eine der ersten agrikolen Kolonien zur Therapie von Alkoholikern zurück. Die 1901 bei Köppern im Taunus eröffnete Filiale der Frankfurter "Anstalt für Irre und Epileptische" wurde bis 1913 zu einer Nervenheilstätte ausgebaut. 1934 erfolgte die Umwandlung in eine Pflegeanstalt für alte Menschen in der Trägerschaft der Frankfurter Stiftung "Hospital zum heiligen Geist". 1943 zum Ausweichkrankenhaus für das zerbombte Frankfurt durch Barackenbauten erweitert, beteiligte sich die "Krankenhaussonderanlage 'Aktion Brandt'" bis Kriegsende auch an den NS-"Euthanasie"-Morden an kranken und alten Menschen. Das Krankenhaus erhielt 1967 seine ursprüngliche Bestimmung als psychiatrische Einrichtung zurück. Zwei Fachkliniken für Psychiatrie und Psychotherapie in Köppern und Frankfurt am Main sowie eine Gerontopsychiatrische Tagesstätte gewährleisten heute ein differenziertes psychiatrisches Versorgungsangebot für die Region.
"Eine sehr informative und in jeder Beziehung gelungene Festschrift. Dem mit zahlreichen Farb- und Schwarzweißabbildungen illustrierten, soliden Band ist daher eine weit über die engen Grenzen von Köppern hinausreichende Rezeption zu wünschen".
Bernd Staffelstein in: Hessisches Jahrbuch für Landesgeschichte Band
52/2002
Einleitung
Christina Vanja, Helmut Siefert
Am 1. April des Jahres 1901 kamen die ersten Patienten zusammen mit einem
Oberpfleger und weiterem Pflege- und Wirtschaftspersonal die sogenannte
"Filiale B" der Frankfurter "Anstalt für Irre und Epileptische".
Es handelte sich um die Hüttenmühle im Köpperner Tal im Taunus,
welche die Stadt Frankfurt nur wenige Wochen zuvor mit einem größeren
Areal Landes käuflich erworben hatte. Die sieben oder neun Kranken,
die 1901 die schön in der Landschaft gelegene ehemalige Papiermühle
bezogen, waren, so die Terminologie der Zeit, "Alkoholisten",
die durch bäuerliche Arbeit an frischer Luft ihre geistige und körperliche
Gesundheit wiedererlangen sollten und wollten, denn der Aufenthalt in der
"agricolen Colonie" bei Köppern beruhte auf Freiwilligkeit.
Nachdem bereits im Jahre 1895 an Epilepsie erkrankte Männer und Frauen
aus der überbelegten Frankfurter Hauptanstalt östlich des Grüneburgparks
in den Bornheimer "Prächtershof", der "Filiale A",
verlegt worden waren, sollte zu Beginn des 20. Jahrhunderts die Gründung
einer zweiten Zweiganstalt weitere Entlastung und therapeutischen Fortschritt
erbringen. Zwar wurde spätestens seit der Mitte des 19. Jahrhunderts
das Problem des Alkoholismus besonders in den Großstädten breit
diskutiert, praktische Hilfe blieb jedoch lange Zeit auf Privatinitiativen
beschränkt. In der Regel wurden betrunkene Menschen, welche die Polizei
auf der Straße festnahm, in Irrenanstalten eingewiesen, wo sie zwar
unter medizinischer Aufsicht ernüchterten, aber keine spezielle Therapie
erfuhren. Es ist vor allem dem großen Engagement des Direktors der
Frankfurter Irrenanstalt, Dr. Emil Sioli (1852-1922), zu verdanken, dass
Frankfurt zu den ersten Kommunen gehörte, die eine öffentliche
Heilstätte für mittellose Alkoholkranke gründeten. Die Wahl
des landschaftlich besonders schönen Standortes im Köpperner Tal
nordwestlich der Großstadt folgte einem naturheilkundlich beeinflussten
therapeutischen Konzept, das um 1900 nicht allein die Psychiatrie, sondern
auch andere Zweige der Medizin, allen voran die Lungenheilkunde, beeinflusste.
Die neue Alkoholikerheilstätte bei Köppern besaß den Charakter
eines Sanatoriums, sie bot jedoch mehr als frische Luft und schöne
Landschaft; vielmehr galt für rekonvaleszente Alkoholiker landwirtschaftliche
Arbeit als wichtigstes Therapeutikum. (Abb. 1)
Sioli plante jedoch mehr als eine kleine Alkoholistenkolonie in einer bald
um zwei Barackenbauten (1904-1906) erweiterten alten Mühle; von Anfang
an bestand der Plan, an diesem Ort eine größere Heilstätte
für "Nervöse" und leicht psychisch Kranke und für
Erholungsbedürftige zu errichten. Wie der Alkoholismus wurden auch
Nervenleiden Mitte des 19. Jahrhunderts erst allmählich zum Thema ärztlicher
Therapie. Insbesondere bei Angehörigen der Unterschichten verkannten
öffentliche Fürsorgeträger lange Zeit das reale Leiden Nervenkranker.
Während private Sanatorien schon um 1850 Kuren für nervöse
Privatpatienten anboten, entstanden erste öffentliche Nervenheilstätten
erst nach der Jahrhundertwende. Die Köpperner Anstalt gehörte
zu den frühesten durch die öffentliche Hand finanzierten Gründungen
für Nervenkranke. Zur Realisation des Gesamtvorhabens der "Neue[n]
Heilanstalten Neuefeld und Hüttenmühle für psychisch Kranke
und Nervöse der Stadt Frankfurt am Main im Köpperner Tal"
trugen die ersten Patienten der Köpperner Filiale in erheblichem Maße
bei, indem sie Wege und Zufahrtsstraßen planierten und das zugehörige
Landgut mit seinen Feldern und Wiesen in Betrieb nahmen. In den Jahren 1910
bis 1913 schloss die Stadt Frankfurt das Projekt mit dem Bau von sechs Landhäusern
(zwei Häuser für Nervenkranke sowie vier Gebäude für
psychisch Kranke) ab. 130 Betten standen nun in Köppern zur Verfügung.
Im Jahre 1918 wurde die neue Einrichtung unter einem eigenen ärztlichen
Leiter gegenüber der Frankfurter Hauptanstalt unabhängig.
Nur ein Jahr nach Eröffnung der neuen Anstalt brach der Erste Weltkrieg
aus, und der Nervenheilanstalt wurden Aufgaben eines Reservelazaretts zugewiesen,
in dem überwiegend psychisch kranke Soldaten versorgt wurden. Während
der Zeit der Weimarer Republik diente die auf 200 Betten erweiterte Köpperner
Einrichtung u. a. als Sanatorium und bezog die Teichmühle bei Köppern
(Erwerb 1918) als Altersheim sowie das sogenannte Institut Garnier als Kinder-
und später Erholungsheim für Frauen (1922) mit ein. Trotz baulicher
Investitionen in den 1920er und frühen 1930er Jahren (Dienstwohnungen,
Heizung, Telefonanlage, Sportplatz und Kegelbahn sowie Sanierung der Trinkwasseranlage)
galt die Köpperner Einrichtung in dieser Zeit jedoch als rückständig.
Mit dem Neubau der Universitäts-Nervenklinik in Frankfurt-Niederrad
im Jahre 1930 sowie dem Ausbruch der Weltwirtschaftskrise geriet die Köpperner
Heilstätte mehr und mehr in wirtschaftliche Nöte. Der ärztliche
Leiter der Einrichtung, Dr. Max Meyer, sah sich auf Drängen der Stadt
Frankfurt veranlasst, in vier Landhäusern nur noch chronisch Kranke
und alte Menschen aufzunehmen.
Die Entlassung der jüdischen Ärzte auch in Köppern im Jahre
1933 sowie das rassistisch begründete Bestreben der neuen nationalsozialistischen
Machthaber, Kosten bei Heil- und Pflegeanstalten einzusparen, trugen dazu
bei, die Tradition der Frankfurter Nervenheilanstalt in Köppern zu
beenden und die Einrichtung einer neuen Bestimmung zuzuführen. Im Jahre
1934 übernahm die Frankfurter Stiftung "Hospital zum Heiligen
Geist" die Verwaltung der "Frankfurter Pflegeanstalt Köppern"
und versorgte hier bei niedrigen Pflegesätzen etwa 250 alte und "sieche"
Menschen aus der Großstadt. Die ärztliche Leitung übernahm
im Nebenamt der Direktor der Medizinischen Klinik am Heilig-Geist-Hospital.
Schon wenige Tage vor Ausbruch des Zweiten Weltkriegs, nämlich am 27.
August 1939, erging an die Stiftung Anweisung, Teile der Köpperner
Pflegeanstalt innerhalb von 48 Stunden zu Lazarettzwecken freizumachen.
Etwa 350 alte und häufig bettlägerige Pfleglinge wurden daraufhin
in andere Anstalten verlegt. Etwa die Hälfte dieser Menschen sollte
die Transporte nicht überleben.
Das Jahr 1943 brachte einen erneuten fundamentalen Funktionswandel der Köpperner
Einrichtung: Die Pflegeanstalt wurde auf staatlichen Befehl zu den "Krankenhaussonderanlagen
'Aktion Brandt' - Anlage Köppern" um- und ausgebaut. Zwangsarbeiter
aus dem "Arbeitserziehungslager Frankfurt am Main- Heddernheim"
bauten angelieferte Fertigbauteile aus "Schwemmzement" zu Baracken
zusammen, in denen zusammen mit den bereits vorhandenen Landhäusern
ein Allgemeinkrankenhaus mit 550 Betten eingerichtet wurde, das am 6. Oktober
1943 eröffnet und belegt wurde. Die Verwaltung blieb beim Frankfurter
"Hospital zum heiligen Geist", die Chefarztposition jedoch übertrug
das Frankfurter Gesundheitsamt dem überzeugten Nationalsozialisten
Willi Gutermuth.
Den Hintergrund dieser Maßnahme des reichsweiten Krankenhausprogramms
bildete das Kriegsgeschehen. Dr. Karl Brandt, Leibarzt Adolf Hitlers und
bereits Mitorganisator der "Euthanasie"-Morde an Anstaltsinsassen
seit 1939, leitete die Schaffung von Ausweichkrankenhäusern für
bombardierte Großstädte. Vor allem chronisch psychisch kranke
und alte Menschen gerieten infolge der Umschichtungen zugunsten verletzter
Soldaten und für die Kriegsindustrie "wertvoller" erkrankter
Arbeitskräfte an die Peripherie aller Versorgungsmaßnahmen. Zwar
war es offensichtlich nicht zentrales Ziel der "Aktion Brandt",
"Ballastexistenzen", wie die Nationalsozialisten sich zynisch
ausdrückten, wie bei der sogenannten "Aktion T4", zu vernichten.
Doch konnte die Forschung in Einzeluntersuchungen den engen Zusammenhang
zwischen einer Beschaffung neuen Raumes zur Krankenversorgung und der Ermordung
alter und behinderter Stammbewohner der betroffenen Häuser deutlich
machen. Dabei ist der Nachweis eines gezielten Mordprogramms für die
"Aktion Brandt" schwieriger als bei der "Aktion T4",
deren Organisatoren zwischen 1939 und 1941 Patienten und Patientinnen in
sechs zentral gelegenen Mordanstalten zusammenzogen und vergasen ließen.
Diese Mordaktion, der rund 70.000 Menschen zum Opfer fielen, endete im August
1941 u. a., weil die Verbrechen mitten in Deutschland nur zu offensichtlich
waren. Bis zum Ende des Krieges wurden jedoch schätzungsweise weitere
130.000 Menschen zu "Euthanasie"-Opfern. Sie wurden allerdings
in einer viel größeren Zahl von Einrichtungen und mit Hilfe von
Überdosen an Medikamenten und durch systematischen Nahrungsentzug ermordet
- Methoden, deren verbrecherische Dimension nicht ohne weiteres nachweisbar
ist. Bis heute ist deshalb das gesamte Ausmaß des Krankenmordes unter
nationalsozialistischer Herrschaft noch gar nicht bekannt. Neuere Studien
machen vor allem deutlich, dass die Voruntersuchungen und Gerichtsprozesse
nach 1945, aus denen viele Verantwortliche als "Mitläufer"
entlassen wurden, keineswegs die tatsächliche Unschuld der Ärzte,
Pfleger, Schwestern und Verwalter verbürgen, da nach den genannten
diffizilen Mordprogrammen damals nicht ernsthaft gefragt wurde.
Bereits seit 1987 stehen auch die Leiter der "Krankenhaussonderanlage"
in Köppern, insbesondere deren Chefarzt Gutermuth, im Verdacht, an
Patientenmorden mitgewirkt zu haben. Diesen Verdacht haben alle wissenschaftlichen
Studien, die seitdem vorgelegt wurden, eher unterstützt als widerlegt.
Nach der Soziologin Ute Daub hat inzwischen die Ärztin Brigitte Leuchtweis-Gerlach
im Rahmen ihrer Dissertation alles verfügbare Archivmaterial, darunter
insbesondere die Prozessunterlagen der Jahre 1945 und 1946, gesichtet und
sorgfältig interpretiert. Die Forschungsergebnisse unterstützen
die Annahme, in Köppern seien Medikamente missbräuchlich appliziert
und Operationen verantwortungslos in offensichtlicher Tötungsabsicht
durchgeführt worden. Der Vergleich mit besser dokumentierten Regionen,
wie z. B. der Provinz Sachsen, für welche die Ermordung alter Menschen
im Rahmen der "Aktion Brandt" bereits nachgewiesen ist, zeigt
darüber hinaus, dass Transporte, auf die ältere Köpperner
Pfleglinge mehrfach geschickt wurden, ebenso wie die pflegerische Vernachlässigung
der "Siechen" bei deutlicher Nahrungsreduktion kaum als Ausdruck
der allgemeinen Notsituation zu entschuldigen sind, sondern als Bausteine
der menschenverachtenden Sozial- und Gesundheitspolitik im "Dritten
Reich" gelten müssen, welche die Ermordung nicht nur psychisch
Kranker, sondern auch alter Menschen zum Ziel hatte. Die Widersprüchlichkeiten
der späteren Prozessaussagen, die Vernichtung von Beweismaterial sowie
die Unterschlagung von Zeugenaussagen, vor allem jedoch die inzwischen nachgewiesene
extrem hohe Sterblichkeit unter den 60- bis 80-jährigen Pfleglingen
der Köpperner Krankenhaussonderanlage belasten die Verantwortlichen
schwer und legen es nahe, zukünftig auch diese hessische Einrichtung
zum Kreis der nationalsozialistischen Krankenmordanstalten zu zählen.
Das 1943 unter extremen Bedingungen eingerichtete Allgemeinkrankenhaus überdauerte
das Kriegsende. Das Krankenhaus, das sich weiterhin in der Trägerschaft
des Frankfurter Heilig-Geist-Hospitals befand, diente mit seinen medizinischen,
chirurgischen und gynäkologischen Abteilungen sowie einer Infektionsabteilung
der Versorgung der Bevölkerung in den umliegenden Taunusorten bis zum
Bau des Nordwestkrankenhauses in Frankfurt zu Beginn der 1960er Jahre. Im
Taunus empfand man die Auflösung der bequem zu erreichenden Institution
in den Jahren 1966 und 1967 als Verlust. Tatsächlich entsprach das
Krankenhaus aber schon lange nicht mehr den medizinischen Standards der
Zeit. Vor den entsprechend hohen Investitionen für eine Modernisierung
schreckte die Stadt Frankfurt jedoch zurück. Es ergab sich daher als
günstige Koinzidenz, dass der Landeswohlfahrtsverband Hessen als Träger
psychiatrischer Krankenhäuser dringend Räumlichkeiten im Ballungsraum
Frankfurt zur gemeindenahen Unterbringung von Patienten und Patientinnen
suchte. Zunächst übertrug die Stadt Frankfurt die Einrichtung
dem neuen Träger leihweise auf zehn Jahre, ab 1973 ging sie ganz in
das Eigentum des Landeswohlfahrtsverbandes Hessen (LWV) über. Nachdem
die Abteilungen umgebaut und instand gesetzt worden waren, nahm das Waldkrankenhaus
- der neue Name wurde in den Nachkriegsjahren kreiert - den Betrieb als
psychiatrisches Krankenhaus mit 325 Betten im Herbst 1967 unter der Leitung
von Dr. Werner Ziegler auf. Sein Nachfolger Prof. Dr. Eberhard Biniek setzte
ab 1982 mit der Behandlung von Suchtkranken einen zusätzlichen Schwerpunkt.
Das Waldkrankenhaus Köppern knüpfte damit wieder an seine ursprüngliche
Bestimmung als psychiatrische Einrichtung an und besteht in dieser Funktion
inzwischen bereits über drei Jahrzehnte, eine Zeit, die durch grundlegende
psychiatrische Reformen und wichtige institutionelle Veränderungen
gekennzeichnet ist. Herauszuheben sind ein allgemeiner Bettenabbau bei Verbesserung
des ambulanten und teilstationären Versorgungsangebotes, die Differenzierung
und Erweiterung des therapeutischen Angebotes sowie die Bildung einer Außenstelle
(Bamberger Hof 1976) und einer Wohngruppe. In die jüngste Zeit weist
vor allem die Lösung des Krankenhauses aus der Trägerschaft des
LWV Hessen und der Zusammenschluss der Fachkliniken für Psychiatrie
und Psychotherapie in Friedrichsdorf (Waldkrankenhaus Köppern, Haus
Bornberg) und Frankfurt am Main (Bamberger Hof) zum "Zentrum für
Soziale Psychiatrie Hochtaunus" als gemeinnütziger GmbH (1998)
den Weg in eine eigenverantwortliche Zukunft.
Der vorliegende Band hat die Vielfalt der hundertjährigen Geschichte
des Waldkrankenhauses in Köppern zum Thema, ohne einen Anspruch auf
Vollständigkeit zu erheben. Uns kam es darauf an, über die Chronologie
der Köpperner Krankenhausgeschichte hinaus, einige der größeren
Zusammenhänge zu beleuchten, die das Geschehen in dieser "waldig-ländlichen"
Einrichtung verständlich machen. Deshalb finden sich in diesem Buch
Beiträge zur Frankfurter Psychiatriegeschichte vor 1901 ebenso wie
zu den kulturgeschichtlichen Traditionen des Landlebens als Therapeutikum,
der Wissenschaftsgeschichte der Neurologie und der praktischen Nervenheilkunde
zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Auch diejenigen Artikel, die sich unmittelbar
auf Köppern beziehen, stellen jeweils Bezüge zu anderen Einrichtungen
und Regionen sowie zur allgemeinen Medizingeschichte her und bieten auf
diese Weise die Möglichkeit, Lokalgeschichte in breiteren Zusammenhängen
zu interpretieren. Wir haben mit der Vergabe von mehreren Beiträgen
zum Thema des Nationalsozialismus bewusst einen Schwerpunkt auf die Geschichte
der Köpperner Einrichtung in den Jahren 1933 bis 1945 gelegt. Wir sind
diese Gewichtung den Opfern des Nationalsozialismus schuldig. Wir hoffen
aber auch, dass die Lektüre nachdenklich stimmt und zu weiteren Auseinandersetzungen
mit der Vergangenheit anregt.
Schließlich führt der letzte Teil des Bandes in die Jetztzeit
hinein. Hier zeigen die Beiträge besonders anschaulich den Alltag des
Krankenhauses inmitten der Schnelllebigkeit unserer an medizintechnischem
Fortschritt und ökonomischer Effizienz orientierten Zeit sowie das
große Engagement, das nicht nur die Beschäftigten, sondern auch
Angehörige und Freunde psychisch kranker oder behinderter Menschen
aufbringen, um die Zukunft einer menschlichen Psychiatrie zu gestalten.